Die mittelalterlichen und neuzeitlichen Stadtbefestigungen von Klosterneuburg
Die mittelalterlichen und neuzeitlichen Stadtbefestigungen von Klosterneuburg
Rudolf Koch, Wien
Inhalt
Einleitung
Die obere Stadt
- Schlagbrücken- bzw. Wassertor
- "Zwischenturm"
- Sattlerturm
- "Vorwerk" oder Eckturm
- Wienertor
- Ehemaliger Eckturm?
- Ehemaliger Zwischenturm?
- "Eisernes Türl"
- Schießstatt- oder Gadesturm und die Albrechtsburg
- Die Hundskehle, oberes und unteres Tor
- Zeugturm
Die untere Stadt
- Haffnertürl
- Wassertor
- Pachnertor (auch Bachnertor)
- Einfache Schlupfpforte
- Fischertor
- Enggassentor
- Weitgassentor
- Thürnhofertor
- Jakobsburgtor bzw. Franziskanertor
- Kierlingertor
Einleitung
Mit der Überschreitung der engeren Grenzen des ehemaligen Römerlagers muß schon im 12. Jahrhundert gerechnet werden, allerdings sind die wissenschaftlichen Probleme um die Größe der Siedlung "Nivenburg" noch nicht gelöst. Zweifellos spielte die Wahl Markgraf Leopolds III., seine Residenz nach Klosterneuburg zu verlegen, eine wesentliche Rolle bei der weiteren Ausdehnung des bereits vorhandenen hochmittelalterlichen Siedlungsareals. Daran änderte auch die nach dem Tode Leopolds III. (1136) erfolgte Verlegung der Babenbergerresidenz nach Bayern und unter Heinrich II. Jasomirgott nach Wien nur wenig. An dem Umstand, daß Klosterneuburg nach 1136 nicht wieder in die Bedeutungslosigkeit zurückfiel, hatte nicht zuletzt die babenbergische Klosterstiftung Anteil. Dies kommt unter anderem in der Flurbezeichnung "Neusiedl" zum Ausdruck, die für das letzte Viertel des 12. Jahrhunderts urkundlich nachweisbar ist. Sie bezeichnet einen Siedlungsteil, der zwischen dem späteren Befestigungsring der oberen Stadt und dem Stiftsspital um St. Gertrud placiert war.
Lange Zeit war die Forschung der Ansicht, daß erst unter König Ottokar von Böhmen der bis ins 19. Jahrhundert vollständig erhaltene Mauerring der oberen Stadt errichtet wurde. Jüngere Forschungen und eine Neubewertung der Urkunden ergeben jedoch, daß schon 1226 zumindest ein Wallsystem den Kernbereich der oberen Stadt umgürtete, da in diesem Jahr ein Haus "apud vallim sitam" - also beim Graben gelegen - urkundlich genannt wird. Mit Sicherheit jedoch fand 1276 König Ottokar Przemysl in seinem Konflikt mit Rudolf von Habsburg bereits einen voll ausgebauten Befestigungsring mit einer starken Mauer und vielen Türmen vor, wie eine zeitgenössische Chronik berichtet. Aus Sicht der gesamten Siedlungsentwicklung Klosterneuburgs liegt es nahe anzunehmen, daß die Befestigung der oberen Stadt in der Ausdehnung, wie sie bis ins 19. Jahrhundert vorhanden war, schon unter den Babenbergern - vielleicht im Zuge der 2. Residenzverlagerung durch Leopold VI. - angelegt wurde.
Der Mauerring folgte im wesentlichen den natürlichen Steilabfällen gegen den Kierlingbach im Norden, der Donau im Osten und im nordwestlichen Teil einem bereits vorhandenen Taleinschnitt, der noch heute im Verlauf der Burggasse erkennbar ist. Lediglich die südliche Stadtflanke und im der Bereich der heutigen Hermannstraße mußte das Geländeplateau durch einen zusätzlichen Graben gesichert werden. Zwischen 1790 und 1793 ist im Zuge von Rechtsgeschäften die Rede von der Miteinbeziehung der Zwingermauer in die Verbauung der Häuser im Bereich der heutigen Parzellen Pater Abel Straße 3 - 5. Noch heute ist zumindest der Verlauf der Zwingermauer in der Bauflucht dieser Häuser zu erkennen. Gegen den Durchbruch des Tutzsteiges zu wurde für die straßenseitigen Grundstücksmauern offensichtlich Spolien verwendet, welche ebenfalls von der Zwingermauer stammen könnten. Der Graben und die Zwingermauer verschwanden im 19. Jahrhundert.
Ein Teil der Befestigung der oberen Stadt wurde durch die Klosteranlage selbst gebildet, welche mit ihrer blockartigen Verbauung gegen die Steilabfälle von Kierlingbach und Donau einen gesonderten "burgartigen" Wehrbereich darstellte. Vermutlich um 1288 ließ Herzog Albrecht I. von Österreich mit der Errichtung der später nach ihm benannten "Albrechtsburg" auch die Nordwest-Ecke der Stadtbefestigung ausbauen. Aus den Urkunden des 14. und frühen 15. Jahrhunderts geht hervor, daß dieser Residenzbau schon früh der landesfürstliche Verwaltungssitz für Grund- und Bergrechte wurde. 1538 galt die Albrechtsburg bereits als verfallen und ging als Zeughaus und Getreidespeicher in den Besitz der Stadt über. Dem Abbruch des Gebäudes ging schließlich die Verwendung als Schießstätte voraus.
Wie die Stadtbefestigung des 13. Jahrhunderts ausgesehen hat, ist nicht überliefert. Die Lage der Mauertürme und der Verlauf des Wehrganges sind erst seit Matthäus Merian d. Ä. (1649) einigermaßen überliefert. Zusammen mit Veduten von Georg Matthäus Vischer (1672), Josef Orient (vor 1700), Johann Martin Lerch (nach 1670) und Ansichten aus der Zeit um 1725 und 1780 ergibt sich vor allem das Bild einer spätmittelalterlich bis frühneuzeitlichen Befestigungsanlage. Die Rondelle und Vorwerke bei der Hundskehle und an der Ecke der Albrechtsburg sowie am nicht erhaltenen "Eisernen Türl" zeigen bereits Befestigungsmaßnahmen, welche eine Modernisierung und Anpassung an den Gebrauch von schweren Geschützen (Maulscharten) im späteren 16. Jahrhundert (1. Türkenbelagerung 1529) belegen. In diese Zeit dürfte auch die Erneuerung und Ausbesserung des Wehrganges fallen, zeigen doch sämtliche erhaltenen Zinnen und die innere Wehrplattform (der "Mordgang") Mischmauerwerk mit hohem Ziegelanteil. Zahlreiche Spolien von mittelalterlichen und barocken Architekturteilen sprechen ebenfalls für einen Umbau im späteren 16. Jahrhundert. In die Zinnenlücken wurden Prellhölzer für leichtere Pulverwaffen eingebaut und die Zinnendeckel erweisen sich zur Gänze als neuzeitliche Umgestaltung.
Nach dem zweiten Türkensturm (1683) wurden die im Grunde genommen für das 17. Jahrhundert zu altertümlichen und kaum erweiterbaren Wehranlagen aufgegeben. Ein Teil der donauseitigen Anlagen fiel sogar ersatzlos dem ausschließlich auf Repräsentation abzielenden Großprojekt des "Österreichischen Escorial" - dem Stiftsneubau - zum Opfer. Seine konsequente Durchführung hätte sämtliche Wehranlagen zum Verschwinden gebracht. Mit dem Wechsel vom wehrhaften zum repräsentativen Charakter der Befestigungen hängt auch die Errichtung bzw. Umgestaltung der donauseitigen Hauptportale zusammen: Das stiftsseitige Schlagbrückentor und das Wassertor in der unteren Stadt erhielten eine barocke Instrumentierung. Interessant sind in diesem Zusammenhang Veränderungen an der donauseitigen Wehrmauer. In dem zu Gärten umgestalteten Bereich unterhalb des alten Refektoriums wurde der mittelalterlichen Wehrmauer eine geböschte barocke Schale mit Blendarkaden (später vermauert) vorgestellt. Teilweise sind außerdem noch die Reste einer barocken Brunnenanlage ("Halbgrotte") zu erkennen. Der nach dem Stiftsneubau wieder hervortretende Zug der mittelalterlichen Stadtmauer um den Sattlerturm wurde ebenfalls als "Gartenmauer" erhöht und umgestaltet, wobei man wegen erheblicher Baumängel mächtige Stützpfeiler anbringen mußte.
Ein im Bereich der Pfisterei vorgelagerter dreiflügeliger Bau mit anschließender Wehrmauer wird bis ins 18. Jahrhundert mit drei Scharwachttürmen wiedergegeben. Diese wohl aus dem 16. Jahrhundert stammende Befestigung ist heute im Gelände nicht nachweisbar. Lediglich die hofseitige Rückwand des Gebäudes in der Flucht des Schlagbrückentores mit vermauerten Öffnungen scheint sich erhalten zu haben.
In den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts wurden die Mauern und Tore bis auf wenige Reste abgebrochen. Als Grund für diese Maßnahme wird weniger Platzmangel als eine Modernisierung des Stadtbildes nach dem Vorbild der Residenzhauptstadt Wien angenommen. Hier hatte 1857 Kaiser Franz Joseph die Schleifung der Befestigungsanlagen angeordnet, welche allerdings mit einer Stadterweiterung in Verbindung stand. Für Klosterneuburg traf dies zwar nicht zu - es fehlten die enorm platzaufwendigen Deckungshindernisse von Glacis und ähnlichem -, doch waren die Befestigungsanlagen im Sinne des Verteidigungswertes schon im 18. Jahrhundert unabänderlich veraltet.
Die obere Stadt
Schlagbrücken- bzw. Wassertor
Das Tor wird nach der unweit gelegenen (Zug?-) Brücke über den Kierlingbach im 18. Jahrhundert Schlagbrückentor, heute Wassertor, genannt. In seiner heutigen Gestalt geht das Tor auf Propst Schmedding zurück, der es 1671 errichten ließ. Es blieb als einziges Stadttor Klosterneuburgs von den Abbrüchen des 19. Jahrhunderts verschont. Von hier führt der Weg durch einen spätmittelalterlichen Quertrakt mit großem Spitzbogenportal in einen zweiten Hof und über die Pfistererstiege zum Leopoldihof. Das Pfisterertor läßt feldseitig (hofseitig) noch einen vermauerten Schlitz für ein Fallgatter erkennen. Untersuchungen von A. Klaar lassen vermuten, daß sich im Bereich der Pfistererstiege schon im Hochmittelalter ein wichtiger Zugang zum Stift bestand. Die Erschließung des hochliegenden gotischen Pfisterertores erfolgte wohl über eine heute noch vorhandene, aber funktionslose Rampe.
Literaturauswahl: Klaar 7ff; Röhrig 33; Perger 166 und Anm. 224.
"Zwischenturm"
Die barocken Darstellungen zeigen einen mindestens zweigeschossigen Turm, der feldseitig vor der Wehrmauer liegt. Das Bauwerk wurde 1730 abgetragen.
Literaturauswahl: Städteatlas.
Sattlerturm
Der gegen die Donau feldseitig spitzovale Turm besteht nur im unteren Teil bis etwa zur Krone der leicht erhöhten Wehrmauer aus spätmittelalterlichem Bruchsteinmauerwerk. Ursprünglich war er nicht durchfenstert. Eine Abschrägung im oberen Teil könnte einen Scharwachtturm ("Pfefferbüchsel") getragen haben. Der Turm wurde 1895 als reiner Ziegelbau um ein Stockwerk erhöht und für Wohnzwecke umgebaut.
Literaturauswahl: Starzer 69. Städteatlas; Perger 166.
"Vorwerk" oder Eckturm
Das stark gestörte und in der zeitlichen Bestimmung verunklärte Mauergefüge am Durchbruch zum "Tutzsteig" läßt eine Art "Vorwerk" erkennen. Den Veduten nach könnte hier ein neuzeitlicher Scharwachtturm die Ecksicherung übernommen haben. Andererseits zeigen Veduten einen freistehenden Turmbau mit Verbindungsmauer zur Ecke der Stadtmauer. Ein derartiger Ansatz ist auch im Bestand zu erkennen. Die Interpretation ist jedoch ohne Grabungen nicht klärbar. Der Durchbruch zum "Tutzsteig" kann frühestens im 18. Jahrhundert (Maria Theresia, Verbauung der Berme durch Häuserzeile) entstanden sein. Im Juni 1952 wurde an diesem Durchbruch eine Gedenktafel angebracht, welche an die 1683 hier von Oberst Donat Heißler erfolgreich abgewehrten Türken erinnert.
Literaturauswahl: Starzer 69; Klosterneuburger Nachrichten 26/1953.
Wienertor
Haupttor zwischen den heutigen Hausfronten Leopoldstraße 18 und 19. Im Jahr 1339 wird es als "Tor" erwähnt, 1361 findet sich die Bezeichnung als Beiname einer Familie. Der Name "Wienertor" ist jüngeren Datums und leitet sich zweifellos aus dem hier durchlaufenden Altstraßenzug (Walichstraße, urkundlich 1311 genannt) ab. Um 1457 wird die Brücke über den davorliegenden Graben urkundlich erwähnt. Der zweigeschossige Torturm besaß im Untergeschoß eine Schießscharte, im Obergeschoß deren zwei, welche nach Aufgabe der Funktion zu Fenstern umgewandelt wurden. Feldseitig konnte das rundbogige Tor mit der Zugbrücke verschlossen werden. Seitlich dürfte der Brücke noch ein Rundturm vorgestellt gewesen sein, der bei Merian angedeutet wird, auf späteren Veduten jedoch fehlt. Das Bauwerk wurde 1865 abgetragen.
Literaturauswahl: Starzer 60f.; Röhrig 33; Perger 164 und Anm. 217ff.; Städteatlas.
Ehemaliger Eckturm?
Nach Merian (1649) befand sich im Bereich der heutigen Ecke Hermannstraße - Franz Rumplerstraße ebenfalls ein quadratischer Turm, der jedoch auf späteren Veduten fehlt. Unter dem Blickwinkel einer taktischen Ecksicherung der im Kern mittelalterlichen Stadtmauer wäre hier auch tatsächlich ein Wehrturm zu erwarten, jedoch ist diese Frage aufgrund der Überbauungen des 19. und 20. Jahrhunderts ohne Bodenuntersuchung nicht zu beantworten.
Literaturauswahl: Starzer 61; Perger 166; Städteatlas.
Ehemaliger Zwischenturm?
Ein weiterer Turm wird urkundlich 1476 "in der Fulsinggasse" genannt. Dieser 1346 urkundlich nachweisbare Straßenzug ist topographisch mit der heutige Markgasse gleichzusetzen. Das Bauwerk ist allerdings nur auf der Vedute von 1780 dargestellt. Er wäre demnach ein innen offener mehrgeschossiger Schalenturm gewesen.
Literaturauswahl: Perger 166 und Anm. 221.
"Eisernes Türl"
Der Torturm bei der heutigen Kreuzung Burgstraße - Ortnergasse bzw. an der Ausmündung der Ortnergasse zum Kardinal-Piffl-Platz scheint 1506 in einer Urkunde als "Tor in der Tullnergasse" auf. Die Vedute von 1725 vermerkt zu dieser Wehranlage: "Das Thürl auf den Boden genand". Die Diminutivform des Namens wird allgemein als Hinweis darauf gedeutet, daß es sich bei der Wehranlage ursprünglich eher um einen Turm mit kleiner Ausfallspforte handelte. Dies wird auch durch eine Beschreibung Wilemans (1870) und feldseitige Ansichten (M. Toma, 1840, F. Ebeling, 1847, A. Wileman, um 1859) nahegelegt. Demnach war der Turm mindestens zweigeschossig, außen halbrund, innen aber gerade geschlossen. Eine stadtseitige Außentreppe führte in das Obergeschoß, eine im 19. Jahrhundert bereits vermauerte Türöffnung auf den Wehrgang der Stadtmauer. An diesen wohl spätmittelalterlichen Stadtturm baute man im 16. Jahrhundert feldseitig links zwei unterschiedlich hohe Rondelle mit Maulscharten an. Diese Art der Flankensicherung zeigt gewisse Ähnlichkeiten mit dem aus drei Rondellen gebildeten Vorwerk beim Schießstatt- oder Gadesturm (bezeichnet 1537 ?). Die Bezeichnung "Eisernes Türl" scheint erst nach Aufgabe der allgemeinen Wehrfunktion der Stadtmauer im 18. Jahrhundert sinnvoll zu sein. Nach der Umgestaltung für Wohnzwecke - man vergleiche dazu die Geschichte des Sattlerturmes - wurde das Bauwerk schließlich 1869 abgetragen.
Literaturauswahl: Wilemans LVf; Starzer 61f.; Röhrig 33; Wagner 1982; Städteatlas; Perger 166 und Anm. 206, 222, 628, Wagner 1f.
Schießstatt- oder Gadesturm und die Albrechtsburg
Bestand: Seitenmauern der Albrechtsburg gegen den Kierlingbach und die Burggasse zu. Hier haben sich noch die gotischen Schlitzfenster (14. Jhdt.?) der Albrechtsburg erhalten. An der Ecke dieser gotischen Burg wurden im 16. Jahrhundert drei kleeblattförmig zusammengefaßte Rondelle mit Maulscharten angebaut. Ein Rondell trägt ein heute nur schwer lesbares Inschriftband mit der Jahreszahl 1537. Wehrtechnisch sind die Rondelle als eigenständige Einheit zu betrachten, denn die Albrechtsburg war zu dieser Zeit bereits baufällig.
Es wird allgemein angenommen, daß die Burg in der Nordwestecke der Stadt schon unter König Ottokar begonnen wurde. Der Ausbau erfolgte dann unter Herzog Albrecht I. (1282 - 1308), der hier öfters verweilte. 1288 war die "Albrechtsburg" bereits vollendet. König Ferdinand I. schenkte 1538 die bereits stark verfallene Burg den Bürgern von Klosterneuburg, die sie als Zeughaus und Getreidespeicher ausbauten. 1817 wurden diese Bauten großteils bis auf das Vorwerk und die Randbereiche abgetragen.
Literaturauswahl: Starzer 62f.; Röhrig 28 und Anm. 81; Städteatlas.
Die Hundskehle, oberes und unteres Tor
Die Hundskehle wird schon 1320 erwähnt und 1373 kauft Propst Kolomann von Laa ein Haus, welches an die "Hunzchell vnd an daz Purichtor an dem Turm" anschließt. Andererseits wird in der "Chronica auff Closterneuburg, der lantsfürstlichen Statt" für die Zeit um 1408 berichtet, daß an der "Hunzkhölle" der Turm gebaut werden mußte. 1462 soll Herzog Albrecht VI. die Burg erneuert und das Burgtor baulich verändert und ein Fallgatter eingebaut haben.
Der Niedergang des Befestigungswerkes begann bereits 1804. Der Turm und das Tor wurden bis zur Stadtmauer abgebrochen, die Auffahrt durch die Hundskehle angeschüttet und verbreitert. Was an Baumaterial nicht verwendet werden konnte, wurde als Schüttmaterial im Bereich des Spitals und der Stiftsstiege aufgebracht. Von den "Gegenrondellen" verblieb nur ein kleiner Rest, der 1805 in den Neubau eines Hauses integriert wurde. 1857 wurde auch noch der verbliebene schmale Fußsteig entfernt. Die gänzliche Umgestaltung zur heutigen Form erfolgte 1865, nachdem am 27. September 1864 ein Erdrutsch die Hundskehle unpassierbar gemacht hatte. Dabei veränderte man rigoros den Böschungswinkel und die Straßenbreite. An der dazu neu errichteten Futtermauer wurde eine Gedenktafel angebracht.
Über die Herkunft des Namens "Hundskehle" wurde viel theoretisiert, ohne daß man bisher zu einem befriedigenden Ergebnis kommen konnte. Kostersitz brachte den Wortteil "Kehle" mit der lateinischen Bezeichnung für Bollwerk in Verbindung, während er als Erbauer Heinrich II. von Kuenring, Gefolgsmann König Ottokars von Böhmen, vermutete. Aus dem Beinamen einiger Kuenringer, genannt "die Hunde", hätte sich dann der Name Hundskehle gebildet. Diese Hypothese wurde von Starzer als irrig widerlegt. Seiner Ansicht nach leitet sich die Hundskehle aus "barba di cane" (Hundsbart), der italienischen Bezeichnung für Barbakane, ab. Tatsächlich wurde jedoch der Ausdruck Barbakane aus dem Arabischen über das Französische vermittelt und bezeichnete bei den Kreuzfahrern ein hofartiges, von einem Wehrgang umzogenes Außenwerk zum Schutz eines Tores. Eine mittelalterliche Verballhornung wäre nicht auszuschließen.
Die Befestigungsanlage ist vor allem durch Ansichten von Johann Christian Brand und eine Radierung seines Bruders Friedrich August (1735 - 1806) überliefert. Die Anlage bestand stadtseitig aus einem querrechteckigen Torturm mit tiefliegender großer Durchfahrt und wesentlich höherliegender rechter Pforte für Fußgänger. Feldseitig dürfte dieser Torturm mit der zinnenbekrönten Stadtmauer gefluchtet haben und wies ein Spitzbogenportal mit Fallgatter auf. Beidseits der steilen und engen Auffahrt der Hundskehle befanden sich feldseitig zwei flankierende Rundtürme von offensichtlich unterschiedlicher Dimensionierung. Der linke Rundturm reichte mit seinem Kegeldach kaum über die dahinter sichtbare Stadtmauer hinaus, während der rechte Rundturm ähnlich einem Scharwachtturm auf einer durch primitive Strebepfeiler abgestützen Futtermauer aufzusitzen scheint. Zwischen beiden ungleich hohen Türmen spannt sich die äußere Tormauer mit großem Rundbogenportal.
Trotz der stimmungsvoll-pittoresken Darstellungen bei Brand ist zu erkennen, daß die Anlage des Hundskehlentores nicht einheitlich ist. Stadtseitig schließen die Verbindungsmauern zur Stadtmauer mit einer Setzungsfuge an den älteren spätgotischen Torturm an. Die Gegenrondelle gehören einer zweiten Bauphase an und dürften im 16. Jahrhundert nachträglich durch die äußere Tormauer in die uns bekannte Form gebracht worden sein.
Literaturauswahl: Kostersitz; Starzer 63 - 68; Perger 166 und Anm. 223, 595, 643; Röhrig 28, 33 und Anm. 79; 88; 322;
Zeugturm
Der sogenannte Zeugturm (Städteatlas) diente der Flankendeckung eines sicher alten Stiftszuganges anstelle der heutigen Stiegenanlage. Feldseitig rechts setzte sich die Wehranlage bis ins 19. Jahrhundert mit einer gadenartigen Binnenverbauung (Fachwerkbauten!) fort. Der Gesamteindruck fiel jedoch der Platzgestaltung und der optischen Freistellung der Kirchenfassade zum Opfer. Der hohe Gebäudekomplex im Anschluß an das ehemalige "Feste Haus" (heute Bereich Stiftsarchiv) wird im Kern ins 14. Jahrhundert datiert, zeigt jedoch allgemein die Merkmale einer rigorosen Umgestaltung im ausgehenden 15. Jahrhundert. Traditionsgemäß (Stiftsplan Benedikt Prills, 1757) wird hier die stiftseigene Rüstkammer lokalisiert. Zu den Verteidigungseinrichtungen gehören ein Gußerker (heute vermauert) und Schlüssellochscharten im polygonalen Treppenturm. Im 16. Jahrhundert wurde der Zeugturm um ein Vorwerk (Rondell, heute teilweise abgetragen und substanziell stark erneuert) und eine untere Wehrmauer erweitert.
Literaturauswahl: Fritz 5f.; Drexler 198; Städteatlas.
Die untere Stadt
Die untere Stadt war nur gegen die Donau mit einer zinnenbekrönten Wehrmauer versehen. Gegen das Hinterland zu und gegen die obere Stadt beschränkte sich die Befestigung auf Zäune. Im Mittelalter hat man sich diese als Palisadenzäune vorzustellen. Nach dem 2. Türkenkrieg, bei dem die untere Stadt stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, waren diese nicht gemauerten Grenzbefestigungen obsolet geworden. Die Vogelschau von 1725 gibt an diesen Stellen lediglich einfache Zäune zwischen den Hausfluchten und Weingärten an. Vom mittelalterlichen Befestigungsring erhielten sich bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts vor allem die Mauertürme. Die donauseitige Wehrmauer war mit einfachen Zinnen ausgestattet und scheint stadtseitig nicht wie in der oberen Stadt einen gemauerten Wehrgang besessen zu haben, sondern nur einen hölzernen Laufgang über eng gesetzten Balkenreihen. Einfache Mauertore wechselten mit massiven Tortürmen ab, die als autarke Befestigungswerke mit Wehrplattformen bekrönt waren. Im 17. Jahrhundert setzte dann an den Haupttoren eine repräsentative Umgestaltung (Wassertor) ein. Die meisten der schlichten Mauertore dürften überhaupt nach dem 2. Türkeneinfall erneuert worden sein und bildeten nur einfache Sperren ohne nennenswerte Wehrfunktion.
Haffnertürl
Wie schon die Diminutivform nahelegt, war dieses Portal ein kleiner Durchlaß ohne weitere Befestigungseinrichtungen. Die Vogelschau zeigt ein einfach gerahmtes Segmentbogenportal. Das Bauwerk verschwand 1870 mit dem Abbruch der donauseitigen Wehrmauer.
Literaturauswahl: Städteatlas; Röhrig 33; Perger 166.
Wassertor
Das 1870 abgetragene Bauwerk befand sich im Bereich des Bahnhofs Klosterneuburg-Kierling und war das größte und somit wichtigste Tor innerhalb der gemauerten Befestigungen der unteren Stadt.
Um 1725 wird es als zweigeschossiger Torturm mit Pyramidendach wiedergegeben und war feldseitig der Wehrmauer vorgestellt. Rechts schloß ein eingeschossiger Nebentrakt mit kleinem Anbau an. Im Turmobergeschoß befanden sich je zwei tief geleibte Fensteröffnungen (ehemalige Maulscharten?). Ein weiterer niedriger Seitenflügel schloß links an den Turm an, lag aber stadtseitig an die Wehrmauer an. Die Ansicht bei Vischer (1672) könnte darauf schließen lassen, daß der im Kern wohl mittelalterliche Torturm seine Annexbauten erst nach dem 2. Türkenkrieg (1683) erhielt. Dies ist umso wahrscheinlicher, da die Portaleinfahrt im 17. Jahrhundert im Sinne einer repräsentativen Wirkung feldseitig neu fassadiert wurde. Der Torbogen erhielt eine wuchtig rustizierte gerade Umrahmung, welche oben drei Pyramiden zierten. Die künstlerische Gestaltung der Feldseite entsprach stilistisch dem stiftsseitigen Schlagbrückentor (errichtet 1671). 1762 wurde dem Mittelturm das rechts der Durchfahrt gelegene K. K. Maut- und Bancalhaus vorgebaut.
Literaturauswahl: Starzer 70; Städteatlas; Röhrig 33.
Pachnertor (auch Bachnertor)
Der eingeschossige Torturm wird 1725 mit umlaufendem Zinnenkranz, der in einer Art Vorschußmauer teilweise ein Pyramidendach mit Schornstein verdeckt, dargestellt. Er befand sich im Bereich der Ausmündung Fischergasse. Im Gegensatz zum Wassertor schloß das Pachnertor feldseitig mit der Wehrmauer ab. Bei Vischer wird der Turm noch zweigeschossig mit einem gedeckten vorkragenden Wehrgeschoß (Maschikuli) wiedergegeben. Das Bauwerk wurde 1870 abgetragen
Literaturauswahl: Perger 166; Röhrig 34. Städteatlas.
Einfache Schlupfpforte
Die Vogelschau von 1725 zeigt zwischen dem Pachnertor und dem folgenden Fischertor einen gerade geschlossenen Portaldurchbruch, der wesentlich kleiner als das Haffnertürl dargestellt wird. Er diente als Schlupfpforte zur Anlegestelle am Donauufer und entstand wohl erst nach Aufgabe der Wehrfunktion der donauseitigen Stadtbefestigung.
Fischertor
Nach der Ansicht von 1725 bildete das Fischertor den Abschluß der donauseitigen Wehrmauer. Das rundbogige Mauertor wies eine beachtliche Höhe auf und lief an der uferseitigen Häuserzeile der giebelständigen Verbauung an. Es muß im Zusammenhang mit einem querriegelartig zwischen Häuserzeile und Stadtmauer errichteten Gebäudetrakt gesehen werden. Der mindestens vierachsige Baukörper besaß eine rundbogige, gegen die Wehrmauer zu verschobene Durchfahrt. Das Fischertor bildete zusammen mit diesem im Kern wahrscheinlich älteren Quertrakt einen ungefähr drei Parzellen tiefen Vorhof. Der gesamte Baukomplex fiel der Schleifung von 1870 zum Opfer.
Literaturauswahl: Starzer 70; Perger 166. Städteatlas.
Enggassentor
Die urkundliche Erwähnung als "Burgtor" ist schon 1444 im Zusammenhang mit St. Martin nachweisbar. 1725 wurde das Tor als eingeschossiger Mauerturm mit Rundbogenportal und zinnenbekrönter Wehrplattform dargestellt. Der Torturm fluchtete feldseitig mit der Baulinie des Grenzzaunes, den man sich im Mittelalter als Palisadenzaun vorzustellen hätte. Das Enggassentor stimmt bis auf die fehlende Verdachung mit der Darstellung des Pachnertores überein. Stadtseitig links wurde das Enggassentor bis zum ersten giebelständigen Haus mit einer Zinnenmauer verbunden. Die rechte Mauer war niedriger und ohne Zinnen.
Im Gegensatz zum gleichartigen Pachnertor dürfte das Enggassentor seine Verteidigungseinrichtungen länger behalten haben, während man die ursprünglich offen zu denkende Wehrplattform des Pachnertores mit ihrem Zinnenkranz im Sinne einer symbolhaften Dekorationsform des Barock umwertete. Der Torturm im Bereich Martinstraße - Langstögergasse wurde schon Anfang des 19. Jahrhunderts abgetragen..
Literaturauswahl: Perger 167 und Anm. 225; Röhrig 34; Städteatlas.
Weitgassentor
Die Vogelschau des 18. Jahrhunderts zeigt ein breit gelagertes Mauertor mit Rundbogenportal und bekrönendem Zinnenkranz. Lagemäßig fluchtet es wie der Mauerturm des Enggassentores mit der Grenzbefestigung. Stadtseitig links verbindet wieder eine Zinnenmauer den Torbau mit der zurückversetzten ersten verbauten Hausparzelle. Lagemäßig im Bereich Albrechtstraße - Langstögergasse zu lokalisieren, erlitt es Anfang des 19. Jahrhunderts das gleiche Schicksal wie das Enggassentor.
Literaturauswahl: Perger 167. Röhrig 34. Städteatlas.
Thürnhofertor
Etwa in Höhe des heutigen Friedhofs bei der Kierlingerstraße - Ziegelofengasse lag das erstmals 1462 als "äußeres Tor in der Kierlinggasse" erwähnte Mauertor. Eine weitere Erwähnung findet sich 1466: "in der Kirchlinggasse vor dem äußeren Tor". Der Straßenzug "Kirchlinggasse" selbst wird schon 1339 erwähnt. 1725 wird das zinnenbekrönte Mauertor mit Rundbogenportal zwischen der barock gestalteten Umfassungsmauer des Thürnhofes und der anschließenden Häuserzeile wiedergegeben.
Literaturauswahl: Röhrig 34; Perger 167 und Anm. 227; Perger 207 und Anm. 643; Perger 207 und Anm. 641.
Jakobsburgtor bzw. Franziskanertor
Wie das Thürnhofertor war auch das im heutigen Bereich Martinstraße - Jakobsgasse situierte Mauertor sehr einfach gestaltet. Urkundlich wird es erstmals 1352 erwähnt. 1443 findet sich die Bezeichnung "ob St. Jakob außerhalb des Burgtores", dann wird es nach dem Kloster Franziskanertor genannt. Wie schon beim Weit- und Enggassentor beginnt 1725 die giebelständige Häuserzeile erst eine Parzellentiefe hinter dem Franziskanertor, das stadtseitig links mit den Häusern durch eine Mauer verbunden war.
Literaturauswahl: Perger 23, Anm. 226; Perger 167; Röhrig 34; Städteatlas.
Kierlingertor
Die Straße nach Kierling war bis Anfang des 19. Jahrhunderts ebenfalls durch zwei schlichte Mauertore gesichert. Eines befand sich im Bereich Kierlingerstraße - Hölzlgasse.
Literaturauswahl: Perger 167. Röhrig 34. Städteatlas.
Literaturauswahl
- Kostersitz U., Die Hundskehle in Klosterneuburg von ihrem Ursprunge bis auf unsere Tage, Wien 1868.
- Wilemans A., Das "eiserne Thür’l" in Klosterneuburg, in: Mittheilungen der k. k. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale XV, 1870, LVf.
- Drexler K., Das Stift Kosterneuburg, Wien 1894.
- Starzer A., Geshichte der landesfürstlichen Stadt Klosterneuburg, Klosterneuburg 1900.
- Klaar A., Der Stadtplan von Klosterneuburg und Korneuburg, in: Unsere Heimat 9, 1936, 10ff.
- Fritz F., Die Kriegsrüstungen des Stiftes Klosterneuburg, phil. Diss. Wien 1962 (vgl. auch Jahrbuch d. Stiftes Klosterneuburg NF 4, 1964, 31ff.)
- Röhrig F., Klosterneuburg, Wiener Geschichtsbücher 11, Wien - Hamburg 1972.
- Klaar A., Eine bautechnische Untersuchung des Altstiftes von Klosterneuburg, in: Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg NF 9 , 1975, 7ff.
- Wagner W., Das Eiserne Türl, in: Amtsblatt der Stadtgemeinde Klosterneuburg Nr. 3, 1982, Sonderbeilage Nr. 129, 1f.
- Perger R., Klosterneuburg im Mittelalter, in: Klosterneuburg, Geschichte und Kultur. Bd. 1: Die Stadt, 139ff.
Glossar
Barbakane - (arab.-franz.) von den Kreuzfahrern geprägte Bezeichnung für ein hofartig mit einer Wehrmauer umschlossenes Vorwerk zum Schutz einer Toranlage.
Blendarkaden - der geschlossenen Wand vorgestellte flache Bogenreihe, die der Verstärkung und Gliederung dient.
Escorial - Augustinerkloster und Residenz nordwestlich von Madrid, 1563 - 1589 für König Philipp II. von Spanien errichtet. Der riesige Renaissancebau gruppiert symmetrisch mehrere Höfe um die Klosterkirche - eine vergleichbar monumentale Planung lag auch dem barocken Neubau des Stiftes Klosterneuburg zugrunde, wurde jedoch nur zu knapp einem Viertel baulich verwirklicht.
Fallgatter - in seitlichen Schienen oder einem Mauerschlitz eines Stadt- oder Burgtores laufender Balkenrost, meist mit Eisenspitzen versehen und an Seilen hochziehbar.
Festes Haus - ursprünglich: gemauertes Gebäude eines befestigten Einzelwohnsitzes, später Hauptgebäude einer Burg; sprachlich verwandt mit dem Begriff "Veste".
Glacis - (franz.) meist ausgedehntes, unverbautes Vorfeld außerhalb neuzeitlicher Stadtmauern und Befestigungswerke, das eine gedeckte Annäherung des Feindes verhindern soll.
Gußerker - Erker über Konsolen und ohne Boden, durch den heiße oder brennbare Flüssigkeiten auf den Angreifer gegossen werden.
Maschikuli - (franz.) durchlaufende Reihe von Gußöffnungen an einem vorkragenden Wehrgang; gleichsam ein Kranz von Gußerkern.
Maulscharten - meist segmentbogig geschlossene, breitgelagerte Schießscharten für kleinere und mittlere Feuerwaffen.
Mordgang - ältere, aber bildhafte Bezeichnung für den Wehrgang.
Palisaden - (franz. - lat.) Befestigung aus dicht nebeneinander gereihten Pfählen.
Pfisterei - (Hostien-)Bäckerei.
Prellhölzer - eingemauerte hölzerne Balken bei Schießscharten, welche den Rückstoß von Feuerwaffen (z. B. wurden hier Hakenbüchsen eingehängt) abfangen sollen.
Rondell - kreisförmiges, relativ niedriges Vorwerk für die Verteidigung und Flankendeckung mit Feuerwaffen.
Scharwachtturm - vorkragender, oft mit Konsolen abgefangener kleiner Turm. Diente über der Wehrmauer oder an Turmecken als Beobachtungsplatz oder zur Flankendeckung. Später auch als (herrschaftliche) Zierform ("Pfefferbüchsel").
Schlagbrücke - alte Bezeichnung für Zugbrücke (man vergleiche den Begriff "Schlagbaum").
Schlüssellochscharten - meist in Form eines umgedrehten Schlüsselloches geformte Schießscharte. Durch das Loch nahm den Lauf der Feuerwaffe auf, während durch den Schlitz visiert wurde.
Spolie - (lat.) wieder verwendeter Bauteil eines abgebrochenen Gebäudes.
Veduten - Stadtansichten. Eine wichtige, aber nicht immer unproblematische Bildquelle für die Bauforschung.
Zeughaus - Gebäude, das als Waffenlager (mittelalterlich: "Zeug") dient.
Zwinger, Zwingermauer - feldseitig vor der Ring- oder Stadtmauer liegender, schmaler Geländestreifen, der durch eine meist schwächere Mauer (Zwingermauer) begrenzt wird.
Blendarkaden - der geschlossenen Wand vorgestellte flache Bogenreihe, die der Verstärkung und Gliederung dient.
Escorial - Augustinerkloster und Residenz nordwestlich von Madrid, 1563 - 1589 für König Philipp II. von Spanien errichtet. Der riesige Renaissancebau gruppiert symmetrisch mehrere Höfe um die Klosterkirche - eine vergleichbar monumentale Planung lag auch dem barocken Neubau des Stiftes Klosterneuburg zugrunde, wurde jedoch nur zu knapp einem Viertel baulich verwirklicht.
Fallgatter - in seitlichen Schienen oder einem Mauerschlitz eines Stadt- oder Burgtores laufender Balkenrost, meist mit Eisenspitzen versehen und an Seilen hochziehbar.
Festes Haus - ursprünglich: gemauertes Gebäude eines befestigten Einzelwohnsitzes, später Hauptgebäude einer Burg; sprachlich verwandt mit dem Begriff "Veste".
Glacis - (franz.) meist ausgedehntes, unverbautes Vorfeld außerhalb neuzeitlicher Stadtmauern und Befestigungswerke, das eine gedeckte Annäherung des Feindes verhindern soll.
Gußerker - Erker über Konsolen und ohne Boden, durch den heiße oder brennbare Flüssigkeiten auf den Angreifer gegossen werden.
Maschikuli - (franz.) durchlaufende Reihe von Gußöffnungen an einem vorkragenden Wehrgang; gleichsam ein Kranz von Gußerkern.
Maulscharten - meist segmentbogig geschlossene, breitgelagerte Schießscharten für kleinere und mittlere Feuerwaffen.
Mordgang - ältere, aber bildhafte Bezeichnung für den Wehrgang.
Palisaden - (franz. - lat.) Befestigung aus dicht nebeneinander gereihten Pfählen.
Pfisterei - (Hostien-)Bäckerei.
Prellhölzer - eingemauerte hölzerne Balken bei Schießscharten, welche den Rückstoß von Feuerwaffen (z. B. wurden hier Hakenbüchsen eingehängt) abfangen sollen.
Rondell - kreisförmiges, relativ niedriges Vorwerk für die Verteidigung und Flankendeckung mit Feuerwaffen.
Scharwachtturm - vorkragender, oft mit Konsolen abgefangener kleiner Turm. Diente über der Wehrmauer oder an Turmecken als Beobachtungsplatz oder zur Flankendeckung. Später auch als (herrschaftliche) Zierform ("Pfefferbüchsel").
Schlagbrücke - alte Bezeichnung für Zugbrücke (man vergleiche den Begriff "Schlagbaum").
Schlüssellochscharten - meist in Form eines umgedrehten Schlüsselloches geformte Schießscharte. Durch das Loch nahm den Lauf der Feuerwaffe auf, während durch den Schlitz visiert wurde.
Spolie - (lat.) wieder verwendeter Bauteil eines abgebrochenen Gebäudes.
Veduten - Stadtansichten. Eine wichtige, aber nicht immer unproblematische Bildquelle für die Bauforschung.
Zeughaus - Gebäude, das als Waffenlager (mittelalterlich: "Zeug") dient.
Zwinger, Zwingermauer - feldseitig vor der Ring- oder Stadtmauer liegender, schmaler Geländestreifen, der durch eine meist schwächere Mauer (Zwingermauer) begrenzt wird.
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